Erkenntnis und Weisheit

 Hl. Bernhard von Clairvaux (1090 - 1153), Zisterziensermönch, Abt und Kirchenlehrer  „Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen“ (Lk 2,51)

 

„Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten, mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen“ (Joh 14,23). An anderer Stelle habe ich gelesen: „Wer den Herrn fürchtet, handelt so“ (Sir 15,1). Ich erkenne aber, dass Jesus noch mehr zum Ausdruck bringen will, wenn er von dem, der ihn liebt, sagt: „Er wird meine Worte bewahren“. Wo wird er sie bewahren? Zweifellos in seinem Herzen. Der Prophet sagt dazu: „Ich berge deinen Spruch im Herzen, damit ich gegen dich nicht sündige“ (Ps 118,11). Wie wird er das Wort in seinem Herzen bewahren? Reicht es, wenn man es auswendig lernt, es im Gedächtnis bewahrt? Der Apostel Paulus sagt von denen, die es so bewahren: „Erkenntnis macht aufgeblasen“ (1 Kor 8,1), und das Vergessen löscht schnell, was wir dem Gedächtnis anvertraut haben.

Bewahrt doch das Wort Gottes so, wie ihr es mit Speisen macht…, denn dies Wort ist „Brot des Lebens“ (Joh 6,35), die wahre Seelenspeise… So müssen wir das Wort Gottes bewahren; es sind wahrlich die „selig, die es bewahren“. Dann nehmt es doch auf in das, was man die Eingeweide der Seele nennen kann; es möge Einlass finden in deinen Herzschlag und in dein Verhalten. Ernähre dich von dem, was gut ist, und deine Seele wird sich freuen, so gute Nahrung zu finden. Vergiss nicht dein Brot zu essen, damit dein Herz nicht vertrocknet: sättige deine Seele mit guter, reichhaltiger Nahrung. Wenn du so das Wort Gottes in dir zu bewahren verstehst, wird es ganz sicher auch dich bewahren. Der Sohn wird zu dir kommen mit dem Vater; er, der große Prophet wird kommen, der Jerusalem wieder aufrichten wird und „alles neu macht“ (Apg 3,22; Jl 4,1; Offb 21,5).